social media ist das zentrale thema beim E12 gipfel in karlsruhe

zum elften mal fand der E12 gipfel – eine der wichtigsten veranstaltungen in deutschland zum thema web-business – bereits statt. thema diesmal: „business 2.0 – ideale wertschöpfung in der digitalen wirtschaft“. hier mein „review“ dazu:

ich muss zunächst mal 2 anmerkungen loswerden:

1.    kannte ich den E12 gipfel bislang nicht. jaja, schande über mich, aber als hr-ler ist man ja auch nicht unbedingt die kernzielgruppe (was sich angesichts der demografischen entwicklung und der besonderen relevanz von web2.0 themen für employer branding aber durchaus ändern sollte). und auf basis der teilnehmerliste war ich – zumindest in diesem jahr – auch so ziemlich der einzige aus dem personalkontext aus der ansonsten eher von ITlern, marketing- und public relations experten besuchten veranstaltung. also vielleicht doch nicht so ganz peinlich). habe auch keinen der „üblichen verdächtigen“ aus der deutschen employer branding szene getroffen, was mich jetzt im nachgang dann doch etwas wundert…

2.    war ich äusserst skeptisch, als mich vor ein paar wochen thomas weidner von steria mummert consulting anrief und meinte, dass ich es „bestimmt nicht bereuen würde“ auch als hr-ler mit berufsbedingtem und privatem interesse für internet, web2.0 und social media an dem gipfel teilzunehmen. da steria mummert consulting premium-partner für den E12 gipfel ist, wuchs meine skepsis eher noch – klar, dass die versuchen in zeiten der krise ihre veranstaltung voll zu bekommen. so mein kritisches gedankengut… mea culpa. und an dieser stelle schon mal ein herzliches dankeschön an thomas weidner für seine überzeugungskünste. da ich beruflich viel mit social media zu tun habe und dieses thema gerade aus employer branding sicht heiss ist und ich mir durch die andere zielgruppe des E12 gipfels neue ideen und impulse erhoffte, habe ich mich – thomas weidner sei’s gedankt – nach längerem nachdenken dann doch zur teilnahme entschieden. und wurde nicht enttäuscht.

so weit zur einführung, jetzt zur veranstaltung selbst. der gipfel war gut besucht, ich schätze es waren zwischen 150 und 200 teilnehmer da (weibliche form bitte stets mitdenken). die agenda gliederte sich in einen allgemeinen teil (vortrag im gesamtplenum) sowie themenbezogenen workshops und zum abschluss eine panelrunde mit experten zum thema „business 2.0 – folgen der globalen digitalisierung?“.

allgemeiner teil
los ging’s mit einem für mich sehr inspirierenden vortrag von prof. dr. dr. thomas schildhauer (wissenschaftlicher direktor des institute of electronic business e.v.) zum thema „business 2.0“. im grunde genommen eine standortbestimmung des aktuellen web2.0 status quo mitsamt einigen trends. sowohl inhaltlich als auch von der art und weise des vortrages einfach nur klasse. aus seinem vortrag sind mir 4 themen besonders im gedächtnis geblieben:

1.    das meistgeklickte video auf youtube
möchte ich hier auch niemandem vorenthalten:

voll mit allen erdenklichen emotionen (liebe, ärger, schmerz, freude) – und mit happy end. was hat das nun mit business 2.0 zu tun? – einfach mal an die ganzen werbeumsätze, die mit einem so vermeintlich simplen video generiert werden, wenn 134.572.427 menschen sich das anschauen nachdenken…darüber hinaus auch die erkenntnis, dass es nicht immer teuer produzierte hochglanzvideos sein müssen, die das größte interesse auf sich ziehen!

2.    die website „tchibo ideas
user generated content par excellence. das portal vereint ideen von besuchern der website, die “die welt besser machen”. beispiel: der automatische „wäsche-zusammenleger“. eine idee eines users, die von tchibo dann umgesetzt und in deren programm aufgenommen wurde. aber auch ideen, die nicht für tchibo als produkt geeignet sind, sind gefragt. die tollste idee im monat wird von tchibo prämiert und mit Y belohnt. ein klasse beispiel, wie user generated content gewinnbringend genutzt werden kann…

3.    das unwort des jahres: „defriending“
in zeiten, wo sich viele über die anzahl ihrer „freunde“ in social networks definieren und es bereits dienstleister gibt, die unerwünschte kontakte wieder aus den profilen löschen zumindest in der web2.0 branche bestimmt ein echter anwärter auf das unwort 2009 J

4.    aka aki – cooles social network im mobile kontext
ein top beispiel für mobile services. handy nutzer erfahren über dieses social network direkt, wer von den eigenen freunden wo ist, was die eigenen freunde gerade machen …ach, was schreibe ich hier lang, schaut euch doch das video an:

klasse vortrag. danach gab’s eine werbevorstellung für google’s „cloud computing“. das war ok, aber eigentlich in meinen augen„nur“ eine vertriebsveranstaltung auf hohem niveau.

zeit für die workshop-gruppen. die qual der wahl, denn alle 3 themen waren für mich von interesse:

  • social media marketing: „markenfalle oder verkaufsbooster“
  • enterprise 2.0: „wer nicht mit der zeit geht, geht mit der zeit“
  • mobile business: „mit welchen services sie sich echte wettbewerbsvorteile verschaffen“

aufgrund meiner eigenen arbeitsgebiete und aktuellen themen habe ich mich dann für die social media marketing gruppe entschieden – und das war auch gut so. los ging’s zunächst mit einigen cases zu dem thema. highlights für mich (ohne sagen zu wollen, dass die anderen beispiele uninteressant waren):

1.   nutzung von social media bei enbw für die kampagne „weniger verbrauch geht auch“
spannender case mit den üblichen diskussionen rund um fragen wie
– gibt es eine social media guideline für die enbw mitarbeiter?
– was macht enbw, wenn im eigenen forum imageschädigend über den energieversorger gesprochen wird?
am spannendsten war allerdings das social media monitoring am enbw case. durchgeführt wird dies von dem research und consulting unternehmen vico. habe später noch länger mit deren geschäftsführer marc trömel gesprochen – sehr spannend, was vico so macht. aufgrund von vorgaben des auftraggebers analysiert vico die art der kommunikation (positiv, neutral, negativ) in foren, blogs, auf twitter etc und kann so sehr gut wettbewerbsvergleiche, zeiträume und –punkte sowie den zusammenhang mit bestimmten themen aus den medien analysieren. absolut interessant.

2.   die entwicklung von clickable videos des fraunhofer verbund iuk
die idee von hyperlinks übertragen auf videos. und zwar nicht „nachgebaut“, mit quasi drüber gelegter oberfläche mit entsprechenden links, sondern direkt. beispiel war ein video, indem jemand die vorzüge eines neuen laptops anpries. beim mouse-over wurde deutlich, dass der entsprechende laptop direkt im video angeclickt werden konnte. bei click dann direkt auf die produktseite des herstellers zum bestellen. das übertragen auf das themenfeld employer branding würde ebenfalls eine vielzahl neuer möglichkeiten ergeben.

nach der gelegenheit, sich im „themenpark“ exponante neuer technologien und neuer social media lösungen von dienstleistern anzuschauen und erklären zu lassen (auch hier hinterließ vico für mich die bleibendsten eindrücke, dicht gefolgt von infopark) wurde unsere social media marketing gruppe selbst aktiv. gut moderiert von sebastian schmidt (kaufmännischer direktor vom institute of electronic business e.v.) erörterte die gruppe interaktiv in wechselnden runden diverse fragestellungen um

  • brand bricolage und brand hijacking?
    diskussion um die frage, ob man als unternehmen die markenautorität durch social media eher bedroht sieht oder ob nicht vielleicht auch eine bereicherung durch neue user-ideen stattfindet…
  • weisheit der masse oder stunde der stümper?
    die frage, ob user generated content nicht zu einer verarmung und verflachung von medien führt, oder ob aus vielen einzelnen experten-meinungen nicht vielleicht doch etwas größeres ganzes entstehen kann…
  • reichweite oder reputation?
    debatte, wie reputation und reichweite zu priorisieren sind, oder ob vielleicht das eine oder andere eher verzichtbar ist…

die entstehenden diskussionen rund um diese fragestellungen waren aus meiner sicht absolut bereichernd. und als hr-ler habe ich die erkenntnis mitgenommen, dass viele der problemstellungen im employer branding gar nicht so weit von problemen im „normalen“ produktmarketing entfernt sind. und die anderen kochen auch nur mit wasser🙂

letzter kommentar: die zusammensetzung der social media marketing gruppe insgesamt war super – viele spannende und interessante kontakte. herzlichen gruß an dieser stelle an sabine von „big brothers big sisters“, malte von „autobild.de“, marcus von „addsugar“ und daniel von cb.e!!!

zum guten schluss gabs dann noch die panel-diskussion unter dem motto „business 2.0 – folgen der globalen digitalisierung?“. die panel-diskussion war u.a. mit jackson bond von xing, andy müller-maguhn vom chaos computer club e.v., prof. michael rotert (vorsitzender eco-verband der deutschen internetwirtschaft e.v.), sebastian küpers von pixelpark sowie heiner andexer (u.a. Geschäftsführer digiate) und moderator sven gábor jánszky von forward2business hochkarätig besetzt, ging aber – zumindest für mich – etwas am thema vorbei. denn mit globalisierung hatte die diskussion rund um datenklau und –sicherheit, medienverhalten von „silver surfern“ und „digital natives“ etc nicht allzuviel zu tun. Sei’s drum, die Diskussion war trotzdem interessant.

der besuch der veranstaltung hat sich für mich in jedem fall gelohnt (hatte ich glaube ich schon erwähnt…) und diverse neuen denkansätze für „social media und employer branding“ geschaffen…bin mir sicher, dass sich der eine oder andere ganz konkrete ansatz daraus ergibt.

Zum abschluss dieses etwas lang geratenen blogartikels noch einige nette zitate aus der heutigen panel-diskussion:

zum verantwortungsvollen umgang mit den (nicht mehr ganz so) „neuen“ medien:

  • „die stigmatisierung in digital natives und silver surfer ist falsch – wichtig ist die sozialisierung. Es sind vorbilder gefragt, die erklären, welche konsequenzen der umgang mit dem internet und web2.0 haben kann. es müssen werte weiter gegeben werden.“ – heiner andexer
  • „die junge generation sollte wissen, warum es im internet so viel umsonst gibt: es geht um wertvolle daten. sowohl unternehmen als auch user müssen verantwortungsvoll damit umgehen.“ – sebastian küpers
  • „irgendwann kommt der zeitpunkt, in dem eine regierung sagt, wir brauchen eine datenamnesie.“ – andy müller-maguhn

zur art und weise der kommunikation im web 2.0:

  • „social networks ermöglichen eine effizientere form von vernetzung. vernetzung gab es immer schon, aber nicht so schnell und effizient wie heute.“ – jackson bond
  • „man kritisiert eher, als dass man lobt. die macht der brand von firmen liegt bei den konsumenten, heute quasi den prosumenten.“ – jackson bond
  • „ich glaube nicht, dass durch die neuen technologischen möglichkeiten erheblich mehr kommuniziert wird. Aber die sichtbarkeit ist eine andere.“ – sebastian küpers

zum thema selbst- und fremdwahrnehmung:

  • „wie leute sich selber sehen im web und wie sie gesehen werden – da klaffen oft welten dazwischen. man findet manchmal dinge, die noch aus der zeit vor dem web stammen, online.“ – michael rotert

zum thema geschäftsmodelle im kontext business 2.0:

  • „bei vielen geschäftsmodellen, die man heute sieht, ist es fragwürdig, ob man damit geld verdienen kann. im netz erhält man schneller feedback von der zielgruppe. Empfehlungsmarketing wird wichtiger.“ – michael rotert
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