exklusives interview rund um twitter, social media und employer branding mit robindro ullah von der deutschen bahn

2005 hat robindro ullah sein wirtschaftsmathematikstudium in hamburg beendet und stieg dann als trainee im fernverkehr bei der deutschen bahn in frankfurt ein. nach 2 jahren revenue management verschlug es ihn ins personalgeschäft, wo er ab 2007 die verantwortung für das hochschulmarketing der deutschen bahn übernahm. seit anfang 2010 leitet robindro die abteilung zusatzservices bei der db services nordost gmbh. für saatkorn. ist robindro vor allem aufgrund seiner umfangreichen erfahrungen rund um und mit twitter bekannt – er ist sicherlich einer DER pioniere in diesem themenfeld mit den tweets von dbkarriere. grund genug für ein interview zu diesem kontext. auf geht’s!

saatkorn.: die deutsche bahn (db) ist im kontext personalmarketing insbesondere für ihre ausgezeichneten twitter aktivitäten bekannt. welchen stellenwert nimmt das thema twitter in der personalmarketing strategie der db ein?

ungern möchte ich diese frage lediglich auf twitter beziehen. das thema social media in gänze spielt mittlerweile eine sehr große rolle in unserer personalmarketingstrategie. wir achten in diesem kontext sehr darauf, nicht eingleisig zu fahren. nichtsdestotrotz ist twitter derzeit unser social media zugpferd. es ist sogar mittlerweile so, dass wir uns eine veranstaltung ohne twitter-begleitung im grunde gar nicht mehr vorstellen können.

saatkorn.: welche erfolgsfaktoren sind deiner meinung nach zu erfüllen, wenn man zielführend und erfolgreich für ein unternehmen über twitter personalmarketing betreiben möchte?

wichtig ist, dass man demjenigen oder derjenigen, die den account füllen soll 1.) ausreichend zeit einräumt 2.) die kompetenz gibt, kommunizieren zu dürfen, ohne permanente freigabeschleifen drehen zu müssen und 3.) den zugang zu veranstaltungen und events ermöglicht, um so content zu liefern. abschließend muss man die-/ derjenige lust haben, das thema zu leben. hierauf sollte man insbesondere bei der auswahl der verantwortlichen achten und die aufgabe nicht irgendjemandem aufzwingen.

saatkorn.: wie eng ist twitter deiner meinung nach mit einer person verknüpft? was passiert, wenn jemand seine aufgabe an jemand anders weiter gibt oder gar das unternehmen, für welches er tweetet, verlässt?

im grunde möchte ich genau das derzeit herausfinden. ich selbst habe zum 01.01. meinen job gewechselt und wir versuchen derzeit einen nachfolger zu installieren. die übergabe werden wir im netz transparent darstellen und dann vermutlich sehen, wie sehr der account an meiner person hängt/ hing. (anmerkung saatkorn.: anhand des aktuellen screenshots s.o. ist der prozess noch im gange.) schlussendlich vermute ich, dass das engagement der person über erfolg und misserfolg des accounts entscheidet. als betreiber bzw. gesicht eines corporate accounts muss ich nicht nur in der öffentlichkeit stehen wollen, ich muss den account auch ein stück weit leben wollen. jemandem eine solche aufgabe zu übergeben, der nicht dahinter steht – das wird nicht funktionieren.

saatkorn.: wem gehören die follower? – demjenigen, der twittert oder dem unternehmen?

interessanter weise gehören die follower niemandem. unser regelmäßiges monitoring zeigt, dass @dbkarriere im schnitt wöchentlich 10 – 20 follower verliert und 20- 30 neue hinzu gewinnt. die followerschaft legt also eine hohe dynamik an den tag und ist in jedem monat des jahres anders zu bewerten. die frage, wem denn nun die knapp 1.500 follower von @dbkarriere gehören, braucht man nicht zu stellen, denn überspitzt gesagt, könnten es morgen 1.500 andere follower sein.

saatkorn.: die „magische“ 1.000er grenze wird ja immer gern gefeiert, sofern sie geknackt wurde. aber bei einer genaueren analyse der follower-struktur vieler tweets wird deutlich, dass die avisierte zielgruppe der absolventen und studenten eher zu einem geringeren teil zur follower-struktur gehört. feiert sich hier die personalmarketing-szene selbst?

das habe ich mich auch schon einmal gefragt – unsere letzte tiefgehende follower analyse hat ergeben, dass wir ca. 10 % studenten unter unseren followern haben. recht wenig, wenn man sich vornimmt, seine zielgruppe zu erreichen. aber hier geht es um wesentlich mehr! über twitter erreiche ich auch einen großen teil an multiplikatoren und damit meine ich nicht die personaler der anderen unternehmen. presse, professoren und sogar lehrer finde ich unter meinen followern, die ich ebenso wie die studenten zu meiner zielgruppe zähle. des weiteren betreibe ich employer branding – die positionierung meiner arbeitgebermarke im social web. auch hierfür benötige ich nicht nur studentische follower. es liegt zudem ein stückweit in meiner hand, wer mir followt. denn es hängt doch direkt von meinen tweets ab! – tweete ich den ganzen tag von personalgeschichten, dann brauch ich mich nicht wundern, dass personaler meiner followerschaft dominieren.

saatkorn.: was glaubst du, wie sich twitter entwickeln wird? überlebt twitter oder verleibt sich facebook twitter irgendwann ein? sind micro-blogs nur eine trenderscheinung oder glaubst du, dass auch in 5 jahren noch micro-blogging betrieben werden wird?

glauben ist nicht wissen und glauben tue ich viel. twitter wird sicherlich nicht im statusupdate aufgehen. hierfür sind die schnelle kommunikationsverbreitung, die googlebarkeit und die einfachheit überzeugende argumente. sicherlich eignet es sich nicht so wie facebook für diskussionsansätze. aber das segment der informationsbeschaffung wird meiner meinung nach unglaublich schnell und gut via twitter bedient.

in 5 jahren wird es nach wie vor micro blogging geben. deutschland fängt erst jetzt an – und das auch nur langsam – zu twittern. blicke ich zurück und betrachte z.b. die connecticum 2009 auf der wir studenten animiert haben, über unseren account zu twittern, ist das kein vergleich mehr zur connecticum 2010 auf der etliche studenten bereits einen eigenen account hatten. damals habe ich mit jedem studenten min. 20 minuten verbracht, um ihm zu erklären, was twitter ist und weswegen wir es nutzen. heute bekomme ich regelmäßig anfragen von studenten, die ihre abschlussarbeit über twitter und social media schreiben wollen.

saatkorn.: welche tweets liest du besonders gerne?

ein wenig ist das wie mit lieblingssongs, die auch hin und wieder wechseln. ganz oben auf meiner derzeitigen favoritenliste steht @zitate. grundsätzlich beeindrucken mich allerdings tweets, für deren inhalt ich selbst ne email gebraucht hätte.

saatkorn.: robindro, ganz herzlichen dank für das interview und dir viel spaß und erfolg in der neuen aufgabe!

weiterlesen:

saatkorn. rückblick zur smpc 2010

exklusives interview mit lutz altmann zur smpc 2010

mployer branding glossar von embrace: erklärung der wichtigsten begriffe

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4 Gedanken zu „exklusives interview rund um twitter, social media und employer branding mit robindro ullah von der deutschen bahn

  1. hi,

    habe es in der vergangenheit leider sehr vermisst, dass die DB keinen service-twitter anbietet. gab es hierfür anhaltspunkte im interview? unter hr gesichtspunkten ist twitter sicherlich interessant für die DB – wie dargestellt. aber unter crm gesichtspunkten wäre es doch sicherlich interessanten…

    viele grüße
    reinhardt

    • hi, reinhardt,

      nein – das haben wir nicht thematisiert. aber robindro gibt hierzu bestimmt gern eine antwort. der twitter-kanal ist ja bekannt😉
      schönen grß

      saatkorn.

  2. Pingback: WIWEX Unternehmensgespräche: Social Media – Zukunft oder schon Vergangenheit? « personalmarketing2null – personalmarketing | employer branding | social media – kritisch hinterfragt

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