Was macht ein Unternehmen für Frauen sexy? – Employer Branding, Gender Management und Generation Y

Vor einigen Wochen auf dem Recruiting Convent (den Bericht findet Ihr hier) hatte ich Gelegenheit, Lisa Katharina Hug zum Thema „Was macht ein Unternehmen für Frauen sexy?“ referieren zu hören. Eine Vertreterin der Generation Y sprach dort über ihre Erwartungen an Arbeitgeber im Jahr 2011. Spannend war neben dem interessanten und persönlichen Vortrag von Frau Hug die sich an ihre Präsentation anschließende Diskussion. Denn da waren beileibe nicht alle – und insbesondere die Frauen im ZuhörerInnensaal – einer Meinung. Klasse, so sollte es auch sein: heisse Diskussionen um aktuelle Themen.

Naja, ich war auf jeden Fall von Frau Hug beeindruckt und denke, dass man es theoretisch zwar bemängeln kann, wenn eine junge engagierte Arbeitnehmerin extrem hohe Erwartungen an ihren zukünftigen Arbeitgeber stellt. Aber das ist ja genau das Thema: aufgrund des demographischen Wandels dreht sich der Markt ja aktuell. Hatten in den letzten Jahrzehnten stets die Unternehmen die Marktmacht auf ihrer Seite führen der Fachkräftemangel, der Wertewandel und neue technische Möglichkeiten, die eine ganz andere Transparenz in den Arbeitsmarkt bringen dazu, dass die jüngere Generation sich mit guten Gründen erheblich selbstbewusster positioniert, als die heute Vierzigjährigen Generation Xler das vor 12, 13 Jahren so getan haben. Genug der Vorrede, überlassen wir Frau Hug das Wort, die ihre ersten beruflichen Sporen bei RTL, Altran Technologies (ja, die mit dem coolen Recruiting Video) und als Trainee bei Diethelm Philippines Inc erwarb, bevor sie als Junior Product Managerin für Lancome bei L’Oreal einstieg und von dort als Leiterin Marketing & PR zur Senzera GmbH wechselte. Ich bin jedenfalls gespannt auf Rekationen der saatkorn. Leser/innen zu Frau Hugs folgenden Statements! Auf geht’s:

saatkorn.: Frau Hug, was macht Unternehmen für Frauen sexy? – Hintergrund der Frage war Ihr Vortrag auf dem Recruiting Convent 2011 zu eben diesem Thema…
Wie ich während meiner Recherche und den vielen Gesprächen zu dem Thema herausgefunden habe, gibt es hier keine einfache Antwort. So unterschiedlich wie die Frauen und Karrierepläne, sind die Wünsche an den Arbeitgeber. 
Nichtdestotrotz glaube ich, dass das Thema Gleichberechtigung grundsätzlich immer noch von großer Relevanz ist. In den letzten Jahrzehnten hat sich hier relativ wenig getan und viele Frauen haben immer noch mit den gleichen alten Vorurteilen und Herausforderungen zu kämpfen. Aber Vorsicht. Gleichberechtigung bedeutet nicht Gleichmachung. Im Gegenteil. Frauen sind anders als Männer. Vor allem aber haben Frauen einschnittigere Lebensphasen und dadurch schwierigere Herausforderungen in ihrer Lebensplanung. Gleichberechtigung sollte einfach bedeuten, dass allen langfristig die gleiche Chance gegeben wird sich leistungsbezogen weiter zu entwickeln. Gleichberechtigung bedeutet mehr Flexibilität. Dafür müssen wir die Strukturen unserer Organisationen auf alle Mitarbeiter ausrichten und nicht nur auf einen Teil der Belegschaft. Die individuellen Entwicklungsmöglichkeiten, die daraus entstehen sind für alle Arbeitnehmer interessant, machen einen Arbeitgeber aber gerade eben auch für Frauen attraktiver.

saatkorn.: Ich glaube, dass die zentralen Treiber für Unternehmen in der Frage, wie sie sich als Arbeitgeber positionieren, die demographische Entwicklung, der Wertewandel, Stichwort Generation Y und das sich verändernde Medien-Nutzungsverhalten sind. Wie denken Sie als Vertreterin der Generation Y darüber?
Ich denke Sie haben grundsätzlich recht. Ich glaube aber eher, dass der soziodemographische Wandel vor allem der ausschlaggebende Treiber für Firmen ist, sich überhaupt stärker als Arbeitgeber zu positionieren. Wie die einzelnen Firmen sich positionieren, sollten auch die konkreten Vorteile des Arbeitsgebers und seine Firmenkultur definieren. So ist der Einsatz von neuen Technologien zwar unabdingbar, er wird aber als Grundvoraussetzung angesehen. Wer sich vom Wettbewerb abheben will, muss viel weiter gehen und seine Zielgruppe und deren Vorstellungen kennen. Hier kann das Personalmarketing sehr viel aus dem Produktmarketing lernen. Gleichzeitig ist es aber wichtig authentisch zu bleiben.

Mehr als alle vorherigen Generationen, erwartet die Generation Y Transparenz, Ehrlichkeit und Kommunikation auf Augenhöhe.

saatkorn.: Können Sie anhand Ihres individuellen Arbeits- und Karriereweges belegen, dass die Generation Y besondere Ansprüche an die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat?
Ich habe bis heute meine Karriereschritte ausschließlich in Hinsicht auf die berufliche Weiterentwicklung gewählt. Und genau da liegt das Problem. Was in all den Forschungen über die Frauen der Generation Y und das Thema „Vereinbarkeit von Karriere und Beruf“ zu kurz kommt, ist das Verständnis für die unterschiedlichen Lebensphasen der Befragten. Die Generation Y ist heute zwischen 20 und 30 Jahre jung und lebt im Hier und Jetzt. Das Wort „instant“ ist nicht nur für Nudelsuppen ein gängiges Wort geworden. Und ja, als sogenannte Generation „Überraschungsei“ möchte diese Generation alles. Spiel, Spaß und Schokolade. Eine ausgewogene Work-Life-Balance. Irgendwann mal Kinder und natürlich die große Karriere. Aber das wollten wahrscheinlich schon viele Generationen und vor allem viele Frauen vor uns. Und irgendwann kommt die Realität. Was weiß schon eine 25 jährige Karriereorientierte Frau über die Realität der Familiengründung? Wie soll sie sich also heute schon darauf einstellen?

Wie bei den Generationen vor uns, kommt die Realität dann wahrscheinlich relativ plötzlich, wenn die Prioritäten sich mittelfristig aus biologischen Gründen verschieben. Wenn die Firmen es bis dahin nicht schaffen ihre Strukturen zu öffnen um den jungen Frauen in dieser neuen Lebensphase die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu erleichtern, riskieren sie wieder einmal, viele hochqualifizierte Arbeitnehmer zu verlieren. Aber das kann sich zum Glück heute keiner mehr leisten.

saatkorn.: Glauben Sie, dass diese Themen geschlechterspezifisch betrachtet werden müssen oder ist es nicht möglicherweise so, dass das etwas offensichtlichere Problem von Frauen bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie nicht gleichzeitig auch ein Problem von Männern darstellt?
Die Generation Y hat allgemein ein größeres Bedürfnis nach einer ausgewogenen Work-Life-Balance. Und auch wenn es weiterhin die Frauen sein werden, welche die Kinder auf die Welt bringen, werden flexiblere und individuellere Karrierestrukturen durchaus beiden Geschlechtern gerechter werden. Die Möglichkeit, den Karriereweg persönlicher gestalten zu können, wird nicht nur Müttern und Vätern gerechter, sondern zum Beispiel auch hochqualifizierten Kultur- und Reisebegeisterten.

In dem Moment, wo mehr Individualität zugelassen wird und Karriere nicht nur durch einen einzigen Weg und ein Musterpersönlichkeit möglich ist, können mehr Menschen ihre Ziele verfolgen ohne sich zwischen dem Entweder–Oder entscheiden zu müssen. Und da haben nicht nur sowohl Frauen als auch Männer, sondern gleichzeitig alle Generationen etwas von.

saatkorn.: Was entgegnen Sie Vertretern oder Vertreterinnen der Generation X oder der Baby Boomers, wenn diese Ihnen vorwerfen, dass Sie es sich als Generation Y zu einfach machen mit der Forderung nach allem? – Auf dem Recruiting Convent gab es hierzu ja ein paar Fragen und Diskussionen im Anschluß an Ihren Vortrag.
Die anderen Generationen haben mit diesem Vorwurf sicherlich recht. Gleichzeitig ändern sich die Zeiten aber tatsächlich. Die neue Generation ist nun mal selbstbewusster und zielstrebiger als Generationen vorher. Und die Generation Y hat den Vorteil, dass es sich niemand mehr leisten kann, nicht etwas mehr auf ihre Wünsche einzugehen. Wenn weiterhin über die Hälfte der gut ausgebildeten Frauen sich für die Familie und gegen die Karriere entscheiden muss, wird unsere Wirtschaft irgendwann vor einem großen Problem stehen.

Trotzdem reicht es natürlich nicht, einfach Beides zu wollen. Die Firmen müssen dringend – mit allen beteiligten Generationen – Wege finden, die unterschiedlichen Lebensphasen der Mitarbeiter besser in die Personalpolitik zu integrieren. Und auch hier geht es wieder nicht nur um die Frauen der Generation Y, sondern gleichzeitig um ältere Generationen welche immer länger arbeiten müssen.

saatkorn.: Was ist Ihr Fazit für Unternehmen, die die Generation Y ansprechen wollen: welche drei Punkte müssen bei der Gewinnung und Bindung der Generation Y Ihrer Meinung nach besonders erfüllt sein?
Sehr einfach gesagt: Flexibilität, Individualität und den Einsatz von neuen Technologien. Aber jede Firmenkultur muss zusammen mit seinem Team und basierend auf den individuellen Marktrealitäten selbst entscheiden wie diese 3 Punkte optimal umgesetzt werden können.

saatkorn.: Frau Hug, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!

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