Employer Branding im Mittelstand: Interview mit der Firma HARTING

Alle reden über den Fachkräftemangel, egal ob Großkonzern, Mittelständler oder Kleinstunternehmen. Während aber die Großkonzerne in der Regel auf einen extrem hohen Bekanntheitsgrad zurück greifen können und über oft größere Budgetressourcen verfügen, gibt es in Deutschland eine sehr große Gruppe mittelständischer Unternehmen, die oft sehr innovativ und erfolgreich am Markt agieren, aber eher als „Hidden Champions“ bezeichnet werden können, da sie über ihre Branche und Region hinaus oft keine sehr hohen Bekanntheitswerte aufweisen können. Zu diesen Unternehmen gehört auch das vielfach ausgezeichnete, familiengeführte Unternehmen HARTING aus Espelkamp in Ostwestfalen. HARTING ist weltweiter Marktführer für elektronische Verbindungen, agiert extrem international und sucht Ingenieure. Ich hatte in den letzten Monaten die Gelegenheit, eng mit HARTING zusammen zu arbeiten. embrace hat sowohl die Arbeitgeberpositionierung für HARTING als auch diverse Personalmarketinginstrumente entwickelt. Über die Herausforderungen im Employer Branding bei HARTING konnte ich mit Dr. Michael Pütz, Mitglied des Vorstandes und dort u.a. für das Thema Personal zuständig, sprechen. Auf geht’s:

saatkorn.: Herr Dr. Pütz, bitte erklären Sie den saatkorn-LeserInnen doch kurz HARTING: was macht HARTING?
Dr. Michael Pütz, HARTINGDie HARTING Technologiegruppe mit Sitz im ostwestfälischen Espelkamp ist weltweit marktführend in der elektrischen und elektronischen Verbindungstechnik. Unsere Produkte verbinden und vernetzen Geräte, Maschinen und Anlagen zur Versorgung mit Daten, Signalen und Power. Das Portfolio umfasst im Wesentlichen Steckverbinder, Geräteanschlusstechnik, Netzwerkkomponenten und konfektionierte Systemkabel. Unsere Produkte werden vor allem im Maschinen- und Anlagenbau, in der Automatisierungstechnik, der Energieerzeugung und –verteilung, der industriellen Elektronik und Telekommunikation eingesetzt. Die weltweit agierende Unternehmensgruppe beschäftigt aktuell am Standort Espelkamp und den angeschlossenen 36 Landesgesellschaften ca. 3.400 Mitarbeitende.

Um Ihren Lesern ein sehr plastisches Gefühl dafür zu vermitteln, was wir unter Verbindungstechnik verstehen, erlaube ich mir, Ihre Leser auf unser humoristisches Youtube Video „HARTING bewegt was“ zu verweisen:

saatkorn.: Warum hat sich HARTING im Jahr 2011 dazu entschlossen, in die Entwicklung einer Arbeitgebermarke zu investieren?
HARTING ist ein gesundes Familienunternehmen mit einer außerordentlich guten Stellung im Markt. Diesen Erfolg der vergangenen Jahrzehnte wollen wir fortschreiben. Dazu brauchen wir motivierte, gut ausgebildete und flexible Mitarbeitende. Diese möchten wir einerseits weiterhin an uns binden, andererseits aber auch weitere Kolleginnen und Kollegen hinzugewinnen. In Zeiten des Fachkräftemangels und demographischen Wandels stehen wir damit in starkem Wettbewerb mit anderen Unternehmen, sowohl in der Region als auch überregional. Wir haben unsere Arbeitgebermarke entwickelt, um unsere Stärken als Arbeitgeber und das, wofür wir als Unternehmen stehen, nach innen und nach außen deutlich machen zu können. Potenzielle Mitarbeitende sollen wissen, worauf sie sich einlassen, und wir haben die Möglichkeit, die genau zu passenden Kandidaten anzusprechen.

saatkorn.: Wie sind Sie hierbei vorgegangen, was waren aus Ihrer Sicht die zentralen Meilensteine auf dem Weg zur Entwicklung der HARTING Arbeitgebermarke?
Um den Prozess professionell zu gestalten, haben wir eng mit dem Beratungsunternehmen embrace zusammen gearbeitet. Die Entscheidung erwies sich im Nachhinein als richtig, da es hochgradig Sinn machte, die internen Diskussionen durch einen neutralen Dritten moderieren und koordinieren zu lassen. Mittels strukturierter Interviews und online-Befragungen haben wir uns zunächst einmal an relevante Zielgruppen gewendet. Unser Interesse galt dem Fragenkreis: Was zeichnet HARTING aus? Wofür steht HARTING als Arbeitgeber? Zusätzlich wurden seitens embrace umfangreiche schriftliche Unterlagen verwertet, die ebenfalls Aufschluss über charakteristische Arbeitgebermerkmale bieten konnten. In diesem Zusammenhang seien exemplarisch erwähnt unsere VISION, die sogenannte ROUTE 2020, Personalbroschüren oder Ergebnisse aus Mitarbeiterumfragen.

Ein wichtiges Ziel war es, bei der Ableitung unserer Arbeitgebermarke die bisherigen „Unternehmensbotschaften“, die auf Seiten der Kunden langjährig „empfangen“ wurden, in die Überlegungen mit einzubeziehen, um einen in sich stimmigen, harmonischen Ansatz zu finden. In Diskussionen auf Vorstandsebene und in weiteren Topmanagementkreisen kamen wir recht zügig zu dem Ergebnis, dass insbesondere drei Attribute HARTING als Arbeitgeber ausmachen:

verantwortungsvoll (gesellschaftliche Verantwortung im weitesten Sinne)

anspruchsvoll (Mitarbeitende stehen im Mittelpunkt)

ehrgeizig (Anspruch Weltunternehmen).

Bei der Ableitung eines Claims, der diese Arbeitgeberpositionierung ausdrucksstark repräsentiert, sind wir dann sehr schnell auf unseren seit vielen Jahren verwendeten Slogan PEOPLE – POWER – PARTNERSHIP gestoßen, der nunmehr nicht nur in der Kommunikation gegenüber Kunden sondern auch in Richtung Arbeitsmarkt Verwendung findet.

saatkorn.: Das Employer Branding von HARTING ist gekennzeichnet durch den Claim „People-Power-Partnership“. Was steckt dahinter?
PEOPLE
verdeutlicht unsere Mitarbeiterorientierung. Um unsere anspruchsvollen Wachstumsziele zu erreichen, benötigen wir hoch qualifiziertes Personal. Die Mitarbeitenden stehen deshalb im Mittelpunkt unserer Unternehmenspolitik. Ihnen wollen wir ein Arbeitsumfeld schaffen, das herausfordernd, innovativ und flexibel ist. Jeder soll grundsätzlich die Chance haben, sich entsprechend seiner Möglichkeiten individuell weiter zu entwickeln. Dabei sind die Grenzen in einem derart global aufgestellten Unternehmen sehr weit gesteckt. Die Auszeichnung als einer der besten 100 Arbeitgeber im Rahmen des Wettbewerbs „Great Place to Work“ im Jahre 2011 zeigt uns, dass wir auf einem guten Weg sind.

POWER hat für uns eine Doppelbedeutung. Zum einen ist damit die elektrische Energie gemeint, die einen Hinweis auf die drei HARTING Lebensadern „Data, Signal und Power“ im industriellen Umfeld gibt, in dem unsere Produkte zur Anwendung kommen. Außerdem repräsentiert sie das Engagement jedes Einzelnen, das wir fordern und fördern. Sie ist Grundlage für stetiges Wachstum und konsequente Internationalisierung – eben für unseren Unternehmenserfolg.

PARTNERSHIP steht für partnerschaftliches Handeln – das gilt für unsere Kunden und Lieferanten ebenso wie für die Mitarbeitenden und die gesamte Region OWL. Wir bekennen uns klar zu unserem Standort. Kulturelles und soziales Engagement sind für uns seit Jahrzehnten selbstverständlich. Die Ernennung zum „Klimaschutzunternehmen“ durch den Deutschen Industrie- und Handelskammertag, der Gewinn des OWL-Kulturförderpreises, unsere umfassenden Zertifizierungen im Umwelt, Arbeitsschutz- und Corporate Social Responsibility Bereich legen beispielhaft Zeugnis ab über unsere umfangreichen Aktivitäten auf dem Gebiet der gesellschaftlichen Verantwortung.

saatkorn.: Wie haben sie nach Entwicklung der Arbeitgebermarke das Ganze operationalisiert? – Wie betreibt HARTING heute Personalmarketing?
Zunächst wurden die Mitarbeitenden bei HARTING über die Inhalte der Arbeitgebermarke informiert. Es gibt bzw. gab eine Intranet-Seite, diverse Aushänge und Poster, einen Leporello mit den Inhalten der Marke als Anhang zur Lohn- und Gehaltsabrechnung, Informationen durch die Mitarbeiterzeitung und auf der Betriebsversammlung. Die Führungskräfte kaskadierten hierachisch die Inhalte der Marke. Um neue Kollegen und Kolleginnen anzuwerben, wurden eine Personalmarketingbroschüre, ein neuer Internet-Auftritt, ein neuer HR Messestand, ein Kurzfilm über HARTING und Videos mit Statements von Mitarbeitenden erstellt.

Diese Instrumente – gezielt eingesetzt – werden uns helfen, am immer schwieriger werdenden Arbeitsmarkt erfolgreich zu sein.

saatkorn.: Lassen sich bereits erste Erfolge absehen?
Bis unsere neuen Botschaften den Arbeitsmarkt durchdrungen haben, braucht es noch Zeit. Die Entwicklung und Kommunikation der Marke sind ja noch sehr frisch. Wir sind gespannt auf die Reaktionen und Feedbacks auf unseren Jobmessen in den nächsten Monaten. Intern sind wir auf großes Interesse gestoßen. Im Rahmen des Projekts „Mitarbeiter werben Mitarbeiter“ war uns die Arbeitgebermarke bereits eine große Hilfe, da wir nunmehr in der Lage sind, unsere Beschäftigten mit den richtigen Argumenten zu versorgen, damit sie in ihrem Freundes- und Bekanntenkreis erfolgreich Werbung für HARTING als Arbeitgeber machen können.

saatkorn.: Was sind die nächsten Schritte im Employer Branding und Personalmarketing für HARTING?
Wir sind nunmehr in der Lage, bei allen anstehenden Personalmarketingaktivitäten unsere genau definierte Arbeitgeberpositionierung als Grundlage zu nutzen. Der neue Messestand kommt ab Februar 2012 zum Einsatz, die neue (Internet-) Karriereseite wird im Frühjahr dieses Jahres live geschaltet. Gezielt werden wir unsere neu kreierte Personalmarketingbroschüre nutzen, deren erste Auflage wegen ihrer Beliebtheit bereits heute fast vergriffen ist. Zudem sind wir mittlerweile sehr stark in den neuen „Social Media“ vertreten, die wir natürlich auch kontinuierlich nutzen werden, um unsere definierte Arbeitgebermarke bei den für uns wichtigen Zielgruppen wirksam zu platzieren.

saatkorn.: Herr Dr. Pütz, vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit und bei HARTING!

2 Gedanken zu „Employer Branding im Mittelstand: Interview mit der Firma HARTING

  1. Wow, Kompliment, hört sich an wie aus einem Guss. Es ist eben nicht damit getan, potenzielle Mitarbeiter zu finden und sie qualifziert zu rekrutieren; man muss sie auch halten (können). Das wiederum hat sehr viel (oder ausschließlich?) mit Kommunikation zu tun. Die „message“ muss authentisch sein und glaubwürdig kommuniziert werden. Zum ganzheitlichen Ansatz gehören auch Themen wie Verantwortung, Perspektive, Entwicklung sowie Arbeitssicherheit, Work-Life-Balance. Und das alles nicht als Einheitsprogramm, sondern individualisiert runtergebrochen auf den einzelnen Mitarbeitern, mit seiner Erfahrung, seinem Können, seinen Wünschen, Vorstellungen, Möglichkeiten . . .
    Ich wünsche dem Unternehmen HARTING, dass sich dieses Programm genau so entwickelt, wie Sie es sich vorstellen. Gute Arbeit!

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