Was kommt aus Neuseeland, ist ne neue Jobbörse und nennt sich TalentFrogs?!

Peer Bieber TalentFrogsMan könnte ja meinen, dass der deutsche Jobbörsenmarkt absolut dicht besetzt ist. Laut Crosswater-Systems (halte ich immer noch für absolut empfehlenswert) – gibt es über 2.000 (!) Jobbörsen in Deutschland und TalentFrogs ist eine davon und sogar noch recht neu. Was die Talentfrösche möchten und können, darüber hat mir Peer Bieber, Gründer und Geschäftsführer von TalentFrogs Rede und Antwort gestanden. Und um eines vorweg zu nehmen: TalentFrogs scheint in der Tat eine Marktlücke abzudecken. Vorhang auf:

saatkorn.: Warum noch eine Jobbörse werden viele zunächst denken. Was ist das Besondere an TalentFrogs und seit wann gibt es TalentFrogs bereits?
Der Jobbörsenmarkt in Deutschland ist sehr fragmentiert. Primär gibt es allgemeine, berufs- und branchenspezifische Jobbörsen sowie regionale Anbieter.

TalentFrogs.de bietet im Gegensatz zu den meisten anderen Jobbörsen eine inhaltliche Lösung für Personalengpässe an. Wir helfen seit Anfang 2011 Unternehmen Bewerber, aus anderen Branchen und Berufsfeldern, gezielt zu finden. Besonders in Zeiten des demografischen Wandels und des Fachkräftemangels kann mit diesem neuen Blickwinkel das Bewerberpotenzial wieder deutlich erhöht werden.

Auf der Suche nach den richtigen Kandidaten/innen nutzen viele unserer Unternehmen bereits den Blick in andere Branchen und Berufsfelder. Dabei können eine Vielzahl von Stellen, vom Sachbearbeiter bis zur Führungskraft, besetzt werden.

Die Kunst besteht für uns darin, Kandidaten auf Stellenanzeigen aufmerksam zu machen, die ihnen über die klassischen Jobbörsen nicht aufgefallen wären. Dazu werden unter anderem fachübergreifende Talente in den Mittelpunkt der Jobsuche gestellt. Denn qualifizierte Arbeitskräfte stehen heute nicht mehr vor der Herausforderung, den passenden Job für den Rest ihres Lebens zu finden. Sie stehen vor der Herausforderung, aus den unzähligen beruflichen Möglichkeiten, den passenden Job für die nächsten Jahre auszuwählen.

Das Medien- und Internetzeitalter verstärkt zudem den inneren Druck, der auf den Arbeitskräften lastet, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Entsprechend werden Karrieren flexibler, sprunghafter und internationaler. TalentFrogs setzt auf diesen steigenden Selbstverwirklichungsdrang von Arbeitnehmern und bietet neue Perspektiven, die über klassische Jobbörsen nicht gefunden werden können. Wer über TalentFrogs einen Job sucht, geht auf eine berufliche Entdeckungsreise, mit konkreten Stellenangeboten.

talentfrogs.de

saatkorn.: Gibt es andere Länder, in denen sich das Quereinsteiger-Modell bereits bewährt hat?
Die TalentFrogs-Idee habe ich selbst aus Neuseeland importiert. Dort habe ich bis 2010 eine Tochtergesellschaft des Siemens Konzerns geführt und die Vorzüge von „Career Changer“ (Quereinsteiger und Branchenwechsler) schätzen gelernt. Neuseeland ist durch einen hohen Fachkräftemangel in vielen Branchen gekennzeichnet. Hinzu kommt eine Arbeitslosenquote von rund 6 Prozent, also annähernd Vollbeschäftigung. Solch ein Szenario prognostizieren viele Wirtschaftsverbände der deutschen Wirtschaft in naher Zukunft.

Neuseeländische Unternehmen haben sehr früh erkannt, dass sich ihr Sucherverhalten nach geeigneten Mitarbeitern ändern muss. Die Suche muss sich auf die verfügbaren Arbeitskräfte konzentrieren und nicht auf die Bilderbuch-Mitarbeiter, die nicht in Neuseeland verfügbar sind. Gezielt werden dort Bewerber aus anderen Branchen und Berufsfeldern rekrutiert, um die eigenen Personalengpässe auszugleichen.

Hinzu kommt, dass diese Career Changer, mit der richtigen Motivation und den erforderlichen Talenten, wesentlich produktiver und zufriedener in ihrem Arbeitsverhältnis sind. Career Changer bieten zudem unvoreingenommene sowie neue Perspektiven und sind meist kreativer. Außerdem bringen sie Erfahrungen und branchenfremdes Wissen mit, das sie in einer neuen Arbeitsumgebung oft in unerwarteter Weise einbringen können. Neuseeländische Unternehmen haben auch verstanden, dass (bei einer längeren Lebensarbeitszeit) das Modell Career Change für viele Arbeitskräfte sehr attraktiv wird. Denn die Arbeitnehmer von heute und morgen werden nicht mehr 40 Jahre lang denselben Job ausüben wollen. Neuseeländische Unternehmen haben es sehr gut gemeistert, den Fachkräftemangel zu kompensieren, die Vollbeschäftigung und die Bedürfnisse der Multioptionsgesellschaft zu akzeptieren und für sich gewinnbringend zu nutzen.

Und auch in Deutschland gibt es schon sehr gute Erfahrungen. Ganze Branchen haben sich mit Hilfe dieser Ressourcen profitabel entwickelt. Waren es in den 90ern und 2000ern die IT- und Internetbranche, sind es heute die erneuerbaren Energien, die mangels fehlender Ausbildungsberufe und Studiengängen, auf Mitarbeiter anderer Branchen zugreifen. Hierdurch profitieren sie durch Erfahrungen und Kenntnisse anderer Branchen, die die eigene Innovationskraft und damit den Wettbewerbsvorsprung verbessern.

saatkorn.: Wer ist Ihre Zielgruppe bei den Unternehmen?
Grundsätzlich bestehen keine Einschränkungen. Bewerber aus anderen Branchen und Berufsfeldern lassen sich auf allen beruflichen Eben in allen Branchen einsetzen. Einschränkungen bestehen nur bei geschützten Berufsfeldern (Mediziner, Juristen, etc.).

Besonders interessant ist das Konzept für klein- und mittelständige Unternehmen, die sich den „War for Talents“ nicht leisten können und wollen. Rund 72 Prozent der deutschen Mittelständler fällt es bereits „eher schwer“ neue und ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden. (Quelle: Studie Ernst &Young, Mittelstandsbarometer 2011). Dadurch können dort rund 33 Milliarden Umsatz nicht realisiert werden. Dabei übersehen viele dieser Unternehmen oft das größte Potenzial an qualifizierten, verfügbaren und motivierten Arbeitskräften. Und zwar die Arbeitskräfte, die sich bereits in anderen Branchen oder Berufsfeldern ihre Sporen verdient haben und nach neuen beruflichen Perspektiven suchen.

saatkorn.: Und wie kommen Sie an die „passiven Jobsucher“ heran? – Immerhin ist es relativ schwierig, Leute zu erreichen, die einigermaßen happy in ihrem Job sind. Inwiefern berücksichtigen Sie den Umstand, dass so mancher, der aus eher ländlichen Bereichen kommt, zunächst in eine Großstadt zieht, aber langfristig vielleicht in die Provinz zurück möchte?
Wenn wir uns die Gallup-Studien anschauen, und dort den Mitarbeitermotivation – Engagement Index, sehen die Zahlen nicht rosig aus. Durchschnittlich haben nur 13 % der Arbeitnehmer eine hohe Bindung an Ihr Unternehmen. Die Masse ist weniger gebunden und weniger zufrieden. Das Medien- und Internetzeitalter verstärkt zusätzlich den inneren Druck, der auf den Arbeitnehmern lastet, das Beste aus ihrem Leben zu machen. Entsprechend werden Karrieren flexibler, sprunghafter und internationaler.

Qualifizierte Arbeitnehmer können sich schon heute den passenden Arbeitgeber, ob in der Provinz oder in der Hauptstadt, fast aussuchen. Und genau hier setzen wir an und nutzen das Potenzial. Wir zeigen Jobsuchenden neue berufliche Perspektiven auf, die nicht an einen klassischen Lebenslauf gebunden sind, sondern zu ihren Talenten und Stärken passen.

saatkorn.: Welche Rolle spielt Social Media in Ihrem Konzept?
Wir haben eine sehr starke Social Media Verknüpfung und setzen diese Instrumente auch gezielt für unsere Kunden ein. So bieten wir auch eine Direkt-Ansprache von potenziellen Kandidaten über führende Social-Media-Kanäle an. Dies ist eine Art „Headhunter-Light-Option“ zum Festpreis.

saatkorn.: Was sind Ihre kurz- und mittelfristigen strategischen Ziele mit TalentFrogs?
TalentFrogs ist ein junges Start-Up-Unternehmen und fokussiert sich kurzfristig auf den Reichweitenausbau in Deutschland. Zusätzlich halte ich viele Vorträge und Workshops zum Thema „Mittelstand sucht Supertalent“. Damit gebe ich mittelständischen Unternehmen inhaltliche Impulse, mit der veränderten Arbeitsmarktsituation umzugehen.

Mittelfristig wollen wir uns als kreative Alternative am Jobbörsenmarkt etablieren. Außerdem setzen wir uns für ein Umdenken in der deutschen Wirtschaft und Gesellschaft ein, um alle Potenziale des Arbeitsmarktes zeitgemäß zu nutzen und einzusetzen.

saatkorn.: Herr Bieber, vielen Dank für das spannende Gespräch – und viel Erfolg mit TalentFrogs!

Immer noch aktuell: die große saatkorn. Verlosungsaktion wegen der neuen saatkorn. facebook-Site. Zu gewinnen: „Social Media für Personalmarketing und Recruiting“-Bücher. Wie? – Steht hier.

3 Gedanken zu „Was kommt aus Neuseeland, ist ne neue Jobbörse und nennt sich TalentFrogs?!

  1. Ein wirklich guter Ansatz, das Talent in den Vordergrund zu stellen, denn von dort entspringt das größte Potenzial. Auch im Sinne von Diversität birgt das für Unternehmen und Mitarbeiter hervorragende Chancen zur Weiterentwicklung durch neue Sichtweisen und mehr Kreativität. LikeIt!

  2. Idee an sich – super! Generell finde ich, dass jmd., der sich in unterschiedlichen Positionen und Branchen profilieren konnte, sich mit dem bewiesenen Engagement in jeden Bereich einarbeitet. Nun ja, die Stellenausschreibung für den Personalcontroller hat vllt. da beispielhaft wenig mit Quereinstieg lt. Anforderungsprofil zu tun;)

    • Hallo Frau Dondorff,

      viele Dank für Ihre Rückmeldung.
      Mit unseren Ansatz schauen wir über den Tellerrand und finden ungenutzte Potenziale am Arbeitsmarkt.
      Bereits ein Branchenwechsel kann sich in Deutschland noch schwierig gestalten. Auch ich musste das vor einigen Jahren persönlich feststellen. So steht man, auch mit vermeintlich flexiblen beruflichen Hintergründen (z.B. kaufm. Tätigkeiten, Vertrieb), oft vor Hürden.
      Und genau diese Hürden nehmen wir für beide Seiten des Arbeitsmarktes. Unsere Unternehmen sind – von „offen für branchenfremde Bewerber“ bis hin zu „Quereinsteigern“ – unterschiedlich breit ausgerichtet. Aber alle haben erkannt, dass man nach links und rechts schauen muss, wenn man auf Personalsuche geht. Und dabei unterstütze ich. Viele Grüße, Peer Bieber

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