Commerzbank relauncht „Probier Dich aus“ – Personalmarketing für Schüler

 

„Probier dich aus“ – unter diesem Slogan präsentiert sich die Commerzbank bereits seit Längerem der Zielgruppe der Schüler und angehenden Auszubildenden. Die interaktive Anwendung ist meiner Meinung nach eines der gelungensten Beispiele, wie man als Unternehmen junge Menschen, die sich erstmals mit dem Thema Arbeitgeberwahl beschäftigen, ansprechen kann. Kein Wunder, dass saatkorn. hierüber schon berichtet hatte. Doch jetzt wurde das „Probier dich aus“ Portal relauncht. Grund genug für ein Interview mit Dorothee Pfeuffer, die bei der Commerzbank die Abteilung Personalmarketing und -bindung leitet. – Auf geht’s:

saatkorn.: „Probier-dich-aus“ ist jetzt relauncht worden. Liebe Dorothee, bitte erzähle den saatkorn. LeserInnen doch kurz, um was es bei „Probier-dich-aus“ geht und welche Zielgruppen die Commerzbank damit erreichen möchte.
Wir haben festgestellt, dass Schüler und Schülerinnen wenig oder kaum Informationen zu den verschiedenen Ausbildungsberufen und dualen Studiengängen haben und oft auch die Vorstellungskraft fehlt, was z.B. ein Azubi zum Bankkaufmann eigentlich macht. Schön gedruckte Broschüren helfen hier nur bedingt weiter, wir müssen die Medien der Zielgruppe einsetzen. Mit der Internetplattform „Probier-dich-aus“ gibt die Commerzbank seit 2009 eine nützliche Hilfestellung bei der Wahl des richtigen Berufes. Unter www.probier-dich-aus.de besuchen die interessierten Schüler eine virtuelle Filiale und übernehmen unterschiedliche Aufgaben, um einen Einblick in unsere Arbeitswelt zu gewinnen. Dazu gehört es zum Beispiel Kundengespräche zu begleiten oder einen Kreditantrag zu prüfen. So können zukünftige Schulabsolventen testen, ob eine Ausbildung/ein duales Studium bei der Commerzbank der richtige Start ihrer beruflichen Karriere sein kann.

Zielgruppe sind vor allem Schüler ab 14 Jahren, aber auch interessiere Eltern oder LehrerInnen.

saatkorn.: Was ist gegenüber der alten Version verbessert worden?
„Probier-dich-aus“ ist jetzt noch interaktiver und schneller. Unsere Auszubildenden und StudentInnen dualer Hochschulen stehen mehr im Fokus. Sie kommen in Videointerviews zu Wort und berichten hautnah über Ihre Ausbildung bzw. ihr duales Studium – ganz authentisch. Die Navigation und Diagnostik haben wir beibehalten, da wir hierzu äußerst positives Feedback von der Zielgruppe erhalten haben.



saatkorn.: Wie erfolgreich war „Probier-dich-aus“ eigentlich für Euch in der alten Version?
Über 130.000 Schüler haben sich die Internetplattform in den letzten zwei Jahren angeschaut und die unterschiedlichen Berufsbilder „ausprobiert“. Zahlreiche Bewerbungen waren das Ergebnis. Außerdem sind die lange Verweildauer der User – im Schnitt 10 Minuten – und die guten Bewertungen für uns ein Erfolg! Und nicht zuletzt freut es uns, dass wir damit einen Beitrag zur beruflichen Orientierung der Jugendlichen leisten. Ehrlich gesagt, hilft es uns natürlich auch, dass sich nach Absolvierung von „Probier-dich-aus“ mehr wirklich interessierte SchülerInnen bewerben. Der Anteil „unfokussierter Bewerbungen“ sinkt, die Qualität steigt.



saatkorn.: Welche Ziele habt Ihr mit der relaunchten „Probier-dich-aus“ Version?

Nach 2 Jahren – erfolgreicher – Laufzeit war es Zeit für einen Relaunch. Unser Ziel, den Schülern Orientierung bei der Berufswahl zu geben und Nachwuchskräfte für die Commerzbank zu gewinnen, können wir nur mit einer zielgruppengerechten Anwendung erreichen, die inhaltlich, aber auch technisch und grafisch auf dem neusten Stand ist.

saatkorn.: Habt Ihr hier auch wieder mit Cyquest zusammen gearbeitet?
Ja, für uns stand von Anfang an fest, dass der Relaunch mit Cyquest stattfinden sollte. Dafür sprach zum einen die Expertise des Teams, zum anderem die gute Zusammenarbeit der letzten Jahre.

saatkorn.: Wie seid Ihr an die Testimonials gekommen? – Habt Ihr einen internen Wettbewerb gemacht?
Bei der Auswahl unserer Darsteller haben wir im ersten Schritt auf unsere Nachwuchs Berater gesetzt, die uns Auszubildende und Studenten dualer Studiengänge empfohlen haben. Im zweiten Schritt wurden alle potentiellen Darsteller zu einem Casting eingeladen, um herauszufinden, wer sich in ungewohnter Umgebung und vor der Kamera am wohlsten fühlt.

7. Über welche Kanäle läuft „Probier-dich-aus“?

„Probier-dich-aus“ ist eine Internetplattform. Die Videointerviews werden künftig auch auf unserem YouTube-Channel zu finden sein. Außerdem informieren und verlinken wir auf weiteren Kanälen zu „Probier-dich-aus“. Dazu gehört natürlich unsere Facebook-Seite Commerzbank Career und weitere Online-Portale wie Azubiyo oder Kununu. Wir nutzen Online-Newsletter, werden aber auch klassische Wege wie Schülermessen, Schulveranstaltungen und unsere Karriereseite einsetzen.

saatkorn.: Liebe Dorothee, danke für das Interview und weiterhin viel Erfolg mit „Probier dich aus“!

Dorothee studierte an der Freien Universität Berlin BWL und Kommunikationswissenschaften. Ihre ersten Berufserfahrungen sammelte sie bei einem Verlag in der Schweiz und wechselte dann zur Commerzbank AG. Als Marketingspezialisten war sie in verschiedenen Geschäftsbereichen der Bank tätig, steuerte Projekte zur Neukundengewinnung, konzipierte zentrale Kommunikationsmaßnahmen und baute in einer Tochtergesellschaft den Bereich Marketing & Vertrieb auf. Seit 2007 im Human Resource/Talent Management in der Zentrale der Bank, leitet sie heute die Abteilung Personalmarketing und -bindung.

unilever mit neuem self-assessment und facebook app „could it be u“

joachim (oder jo) diercks dürfte den meisten saatkorn. lesern (jaja, weibliche form bitte stets mitdenken) kein unbekannter sein, hat er doch mit seinem unternehmen cyquest seit über 10 jahren tiefgreifende erfahrungen mit innovativen projekten im kontext self-assessment und recrutainment gesammelt. ob bertelsmann, tchibo oder jetzt unilever – von jo’s kompetenz und fähigkeit komplexe assessment situationen in unterhaltsame und lehrreiche e-assessment anwendungen zu übertragen, hat schon so manches unternehmen profitiert. gerade live gegangen ist die anwendung „could it be u“ von unilever. hierzu das folgende interview. auf geht’s!

saatkorn.: ihr habt für unilever einen spielerischen selbsttest als facebook applikation entwickelt. wie ist es dazu gekommen?
du hattest mich bei unserem letzten interview anfang letzten jahres mal gefragt, was online-assessment mit social media zu tun hat. ich hatte damals schon gesagt, dass es für mich völlig klar ist, dass wir über kurz oder lang derartige applikationen auch innerhalb von sozialen netzwerken sehen werden. die idee habe ich dann unter anderem unilever vorgestellt und so ist dann „could it be u?“ entstanden. es wird aber nicht das letzte tool in dieser richtung bleiben…

saatkorn.: kannst du uns die app kurz vorstellen? was macht das tool besonders?
das selfassessment bedient letztlich drei aspekte, die entscheidend sind für die frage, wie passende kandidaten und passende unternehmen eigentlich zueinander finden:

im ersten teil lernt man spielerisch wie in einem quiz das unternehmen ein bißchen besser kennen. die unilever-marken wie rama, axe oder knorr kennt jeder, aber wer weiß schon, dass unilever seit jahren den dow jones sustainability index anführt? kenntnis dessen, was ein unternehmen eigentlich macht und wofür es steht, ist ein entscheidender passungsparameter. wir haben diesen teil „u know“ genannt und am ende steht – je nachdem wie gut man in dem quiz war – der individuelle „u know score“.

der zweite teil ist dann das eigentliche selfassessment. hier haben wir das unilever kompetenzmodell sehr gründlich unter die lupe genommen und in eine quizform überführt. man bekommt situationen vorgelegt, z.b. zu aspekten wie führung oder flexibilität, in denen man eigene einschätzungen vornehmen soll. diese einschätzungen laufen gegen eine art unilever-wunschprofil. je dichter dann meine einschätzungen mit dem wunschprofil übereinstimmen, desto höher fällt mein „u fit score“ aus. hier unterscheidet sich das selfassessment auch von vielen anderen „selbsttests“, die man so findet: es ist eine sehr gründliche anforderungsanalyse vorausgegangen und die konstruktion ist psychologisch fundiert, nicht nur nach augenschein vorgenommen. „could it be u?“ ist ansprechend gestaltet und hinreichend unterhaltsam, aber es ist eben nicht nur spiel, sondern bietet tatsächliche orientierung.

der dritte teil schließlich bildet in ähnlicher form die „harten“ auswahlkriterien ab, die unilever bei der auswahl von führungsnachwuchs anlegt, also abschlussnoten, sprachkenntnisse oder praktische erfahrung. dies hilft einem bei der einschätzung, welche kriterien das unternehmen denn bei den hardfacts anlegt und wo man da steht. dieser teil – wir haben in „u select“ genannt, ist aber gegenüber dem „u fit“ baustein, wo es um die weichen passungsmerkmale geht, klar nachrangig.

insgesamt ist „could it be u?“ also eine spielerische kombination aus „degree- und personality-matcher“. wichtig ist mir allerdings zu betonen, dass die ergebnisse innerhalb des selbsttests keinerlei auswirkungen auf etwaige bewerbungschancen haben. das tool dient einzig als service zur orientierung und ist kein versteckter auswahltest. dafür würde erstens die angewandte diagnostik nicht reichen und zweitens kann unilever die ergebnisse gar nicht personenbezogen einsehen. die funktionalitäten des facebook connect, also z.b. die möglichkeit, seine scores zu teilen oder die applikation zu „liken“, können im bei facebook eingeloggten zustand benutzt werden, aber man kann „could it be u?“ auch nutzen, gänzlich ohne bei facebook angemeldet oder überhaupt registriert zu sein. auch die lästige warnmeldung, dass die app diese oder jene information aus meinem facebook profil auslesen will, entfällt gänzlich, weil diese nämlich keinerlei information ausliest. die applikation könnte ganz genauso gut als standalone applikation oder bestandteil der corporate career website laufen. das ist das schöne an der neuen iframe welt bei facebook.

saatkorn.: wie kommt das selfassessment an? könnt ihr darüber schon etwas sagen?
es ist nach etwas über einem monat noch etwas zu früh, um hier verlässliche aussagen treffen zu können, aber die ersten ergebnisse sind ermutigend. die applikation hatte bis jetzt knapp 500 besucher, von denen ein erwartungskonformer anteil von ca. 15% die applikation komplett durchlaufen hat. auch die anzahl shares und likes ist durchaus erfreulich. ich bin da insgesamt sehr optimistisch. zieht man einen analogieschluss zu anderen applikationen mit ähnlicher zielsetzung – z.b. „discover bertelsmann“, das wir ja gemeinsam vor ein paar jahren umgesetzt haben mit inzwischen ca. 67.000 nutzern oder „probier dich aus“ der commerzbank mit bislang etwa 111.000 nutzern mit in beiden fällen guten bis sehr guten evaluationsbeurteilungen – so gehe ich auch für „could it be u?“ von einer vergleichbaren entwicklung aus.

saatkorn.: wie geht es jetzt weiter?
es sieht so aus, als wenn die unilever applikation nun internationalisiert wird. es haben einige andere unilever landes- oder regionsgesellschaften angefragt. damit haben wir speziell bei unilever ja sehr gute erfahrungen gemacht: das eassessment unique.st, das wir 2004 für deutschland, österreich, schweiz eingeführt haben, wird inzwischen ja jährlich etwa 60.000 mal eingesetzt – nicht nur in europa, sondern vor allem von einer reihe südamerikanischer unilever-gesellschaften…

aber wie vorhin schon angedeutet wird „could it be u?“ nicht der letzte spielerische selbsttest innerhalb von facebook bleiben. wir befinden uns gerade in der umsetzung einer ähnlichen, und doch völlig anderen applikation für einen großen handels- und dienstleistungskonzern aus dem ruhrgebiet… doch dazu dann mehr, wenn es soweit ist. ich schätze in ein bis zwei monaten.

saatkorn.: lieber jo, vielen dank für das interview und weiterhin viel erfolg mit cyquest!